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Kulturtage
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Grußwort von Helmut Vogel

Präsident des Deutschen Gehörlosen-Bundes e.V.

Liebe Teilnehmerinnen und Teilnehmer an den 6. Deutschen Kulturtagen der Gehörlosen!

Wir, das Präsidium des Deutschen Gehörlosen-Bundes und das Organisationsteam der Kulturtage, heißen Sie alle herzlich willkommen zu den 6. Deutschen Kulturtagen der Gehörlosen vom 17. - 19.05.2018 in Potsdam! 

Schon zum sechsten Mal feiern wir dieses besondere Fest und können damit schon auf eine lange Geschichte der Kulturtage zurückblicken. Es begann alles 1993 in Hamburg, schon damals mit einem großen interessierten Publikum und vielen spannenden Diskussionen und jede Menge Spaß in der Gebärdensprachgemeinschaft. Dieser Tradition sind wir über die Jahre treu geblieben: Die Kulturtage sind ein Ort, an dem wir uns austauschen, Neues erfahren, das Selbstbewusstsein fördern, aber auch einfach Spaß haben und (unsere) Kultur genießen: Damit sind die Kulturtage mit etwa 2500 BesucherInnendie größte barrierefreie Begegnungs- und Informationsplattform für Gehörlose, GebärdensprachnutzerInnen und hörbehinderte Menschen Deutschlands! 

Für die 6. Kulturtage haben wir vom Präsidium das Motto: „Unsere Kultur mit Gebärdensprache: inklusiv und gleichwertig“ gewählt. Damit wollen wir betonen, dass wir uns bewusst sind über den Wert unserer Gebärdensprachgemeinschaft. Wir wissen, dass unsere Gebärdensprache und unsere Gebärdensprachkultur genauso wertvoll und vor allem gleichwertig sind wie die deutsche Sprache und Kultur. Wir verstehen uns als eine Behindertengruppe und als eine sprachliche Minderheit. 

Aber ist das eigentlich etwas „Neues“? Nicht wirklich, blicken wir doch auf eine lange Tradition mit Höhen und Tiefen bezüglich der Gebärdensprache und der Gehörlosenkultur in der Geschichte zurück. Eine organisierte Gehörlosenbewegung in Deutschland besteht im Jahr 2018 genau 170 Jahre. 1848 gründeten Gehörlose in Berlin einen Gehörlosenverein. Diverse Gründungen folgten in den nächsten Jahrzehnten, sei es im sozialen, im politischen und im kulturellen Bereich oder im Bereich des Sports. 1927 wurde der Deutsche Gehörlosen-Bund, damals unter anderem Namen, gegründet. Sehr lange gab und gibt es also unsere Gebärdensprachgemeinschaft, und damit unsere Kultur und unsere Sprache. 

Doch erst in jüngster Zeit bildet sich der politische Wille ab, dass unsere Gemeinschaft ein gleichwertiger Teil unserer deutschen Gesellschaft sein soll. Und so ist es ein bedeutsamer Schritt für uns, dass die Deutsche Gebärdensprache 2001 durch das Sozialgesetzbuch IX und 2002 durch das Behindertengleichstellungsgesetz auf Bundesebene anerkannt wurde. Ebenso zentral ist die 2009 ratifizierte UN-Behindertenrechtskonvention mit den entsprechenden Artikeln 2, 9, 21, 24 und 30, betonen sie doch eben diese Gleichwertigkeit der Gebärdensprache und der Gehörlosenkultur. 

Diese Gleichwertigkeit unserer Sprache und Kultur ist jedoch (noch) nicht gesellschaftliche Realität. Für viele Gehörlose deckt sie sich nicht mit ihrem alltäglichen Erleben. Was oftmals fehlt ist das Wissen darüber und dem folgend die konkrete sozialpolitische Umsetzung dieser „Gleichwertigkeit“ und demzufolge einer Zweisprachigkeit ohne Barrieren in allen Lebensbereichen, insbesondere in der Bildung.   

Deswegen sind die Kulturtage auch so bedeutsam. Sie haben und hatten stets die Aufgabe, Vorbehalte abzubauen, gegenseitiges Verständnis füreinander zu entwickeln und über den Dialog der Kulturen eine inklusive und barrierefreie Gesellschaft zu schaffen. Wir sind der Überzeugung, dassAustausch und Begegnung die wichtigste Voraussetzung ist für Inklusion.Die 6. Kulturtage sind eine Möglichkeit, ein Bewusstsein zu schaffen für den Wert der Gleichwertigkeit und der Inklusion. Der Anspruch der Gleichwertigkeit funktioniert nicht ohne Inklusion, und auch Inklusion findet nicht statt, wenn eine Gleichwertigkeit nicht angenommen wird. Zu diesen Themen wollen wir Neues hören, uns intensiv austauschen und diskutieren, uns begegnen und gemeinsam weiterkommen! 

Das Referentenprogramm mit etwa 90 Referenten über drei Tage inklusive der Podiumsdiskussionen zu einer Vielfalt von politischen, gesellschaftlichen und sozialen Themen gibt uns dazu die Gelegenheit. So gesehen sind die Kulturtage auch immer eine fachliche „Inspiration“ und ein Ideengeber, u.a. für neue, übergreifende Projekte, Ziele und Pläne der Gebärdensprachgemeinschaft bzw. des Deutschen Gehörlosen-Bundes mit seinen 26 Mitgliedsverbänden. 

Damit wir auch jene Menschen erreichen, die noch nicht so viel über die Gebärdensprache und die Kultur der Gehörlosen wissen, veranstalten wir am Samstag, den 18.5. 2018 von 13 – 16 Uhr eine Begegnungsveranstaltung auf dem Luisenplatz, mitten in Potsdam. Infostände, geladene Gäste und ein interessantes Bühnenprogramm, bei dem u.a. das Publikum verschiedene Gebärden lernen kann. Ein „Sign Mob“ mit einer spektakulären La Ola Welle aus Händen auf der ganzen Brandenburger Straße wird sicherlich für Aufmerksamkeit sorgen!

Und schließlich, wie schon betont, wollen wir auch einfach gemeinsam Spaß haben und unsere Kultur genießen! Unser Kulturprogramm stellt einen ganz wichtigen Teil der Kulturtage dar. Bei der Eröffnungsfeier, bei den Talkshows I und II und beim Galaabend haben GebärdensprachpoetInnen, Theatergruppen, TänzerInnen und viele andere KünstlerInnen ihre Auftritte. Wir zeigen die von der Filmjury ausgewählten drei besten Filme, ebenso die neun von der Fotojury ausgewählten besten Bilder im Rahmen einer Fotoausstellung. Auch wird es wieder eine Quizshow geben, bei der die QuizteilnehmerInnen (von der Vorrunde bei der Talkshow I bis zum Finale beim Galaabend) kniffelige Fragen rund um die Gehörlosenkultur und die Gebärdensprachgemeinschaft beantworten müssen. 

Während der Kulturtage findet eine Kunstausstellung mit sieben ausgewählten Kunstschaffenden statt. Diverse Aussteller werden ihre Arbeiten vorstellen und Informationen weitergeben. Schließlich ist der Galaabend traditionell gesehen das ultimative Finale der Kulturtage, u.a. mit der Verleihung der Kulturpreise an verdiente Persönlichkeiten der Gebärdensprachgemeinschaft.

Für unsere jüngeren TeilnehmerInnen gibt es wieder ein spannendes und abwechslungsreiches Kinderprogramm, u.a. mit Workshops, Lesungen und Auftritten diverser KünstlerInnen - langweilig wird es unseren „Kleinen und Großen“ da ganz sicher nicht!

Das umfangreiche Angebot von tauben und hörenden Gebärdensprach-dolmetscherInnen, SchriftdolmetscherInnen sowie TaubblindenassistentInnen trägt dazu bei, die Veranstaltung so weit wie möglich barrierefrei zu gestalten. 

Ganz besonders herzlich möchte ich im Namen des Deutschen Gehörlosen-Bundes den vielen engagierten Menschen danken, die sich auf vielfältige Weise dafür einsetzen bzw. eingesetzt haben, dass die 6. Deutschen Kulturtage zu einem unvergesslichen und besonderen Ereignis werden (denn davon bin ich jetzt schon überzeugt!). Die zahlreichen Mitarbeiter/innen vom Organisationsteam (auf und hinter den Bühnen), die überwiegend ehrenamtlich aktiv sind und in ihrer Freizeit voller Motivation mitgedacht und mitgestaltet haben, sind wie immer das Herzstück der Kulturtage! 

Ebenso einen herzlichen Dank an die Partner der Kulturtage, dem Zentrum für Kultur und visuelle Kommunikation der Gehörlosen e.V. (ZFK) aus Potsdam, für ihre tatkräftige Hilfe bei der Logistik vor Ort, und TeleSign Deutschland GmbH für die Unterstützung bei der Koordination der DolmetscherInnen für Deutsche Gebärdensprache und Deutsch.

Einen großen Dank richte ich auch an alle Sponsoren und insbesondere an „Aktion Mensch“, die mit ihrer finanziellen Unterstützung die Kulturtage überhaupt erst ermöglicht haben.

Und schließlich danke ich dem Bundespräsidenten der Bundesrepublik Deutschland, Herrn Frank-Walter Steinmeier, ganz herzlich für die Übernahme der Schirmherrschaft für die 6. Deutschen Kulturtage der Gehörlosen in Potsdam. 

Gemeinsam mit Ihnen allen freue ich mich auf erlebnisreiche, interessante und informative Kulturtage und wünsche uns allen einen fröhlichen und unvergesslichen Aufenthalt in Potsdam!