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Bericht

Bericht zu 6. Deutschen Kulturtagen der Gehörlosen in Potsdam vom Veranstalter, Deutschen Gehörlosen-Bund:

Liebe Freunde, liebe BesucherInnen,

Unter dem Motto: „Unsere Kultur mit Gebärdensprache: inklusiv und gleichwertig“ feierten wir vom 17. bis 19. Mai 2018 in Potsdam /Babelsberg die 6. Kulturtage der Gehörlosen. Und es ist genau jenes besondere Fest geworden, welches wir alle erhofft hatten! Es war ein wunderbares Ereignis, und Potsdam wurde an diesen drei Tagen zu einem Ort der Begegnung, des (Wieder-)sehens und des Kennenlernens, mit Freude und viel Spaß!

Wir, die Gebärdensprachgemeinschaft und alle anderen BesucherInnen, haben unsere Sprache, unsere Kultur und unsere Gebärdensprachgemeinschaft gefeiert. Das Kulturtage-Team hatte ein umfangreiches, spannendes und vielfältiges Programm vorbereitet, welches die etwa 2500 Gäste auch interessiert besuchten und sich fleißig beteiligten. Etwa 80 Referenten trugen zu verschiedenen sozialpolitischen, gesellschaftlichen und kulturellen Themen vor. Podiumsdiskussionen mit politischen Vertretern verschiedener Parteien sowie Verbandsmitgliedern und anderen Aktivisten ließen interessante und spannende Debatten entstehen. Ein umfangreiches Kulturprogramm mit nationalen und internationalen KünstlerInnen aus den Bereichen Theater, Tanz, Gebärdensprachpoesie usw. faszinierte und unterhielt die Gäste.

Alles begann mit der Eröffnungsfeier am Donnerstag, den 17.5. um 13 Uhr. Schon dort hat sich abgezeichnet, dass es drei interessante Tage werden, mit vielen spannenden Beiträgen. Jürgen Dusel, der Beauftragte des Landes Brandenburg für die Belange der Menschen mit Behinderungen, richtete sein Grußwort an die gespannten BesucherInnen und betonte, wie wichtig eine Kommunikation auf Augenhöhe sei. Er zeigte sich positiv überrascht von der Vielfalt und den anspruchsvollen Themen des Tagungsprogramms der Kulturtage. Im Grußwort von Dr. Rolf Schmachtenberg, Staatssekretär im Bundesministerium für Arbeit und Soziales, folgte eine interessante Darstellung der gegenwärtigen Situation der Behindertenpolitik mit all ihren aktuellen Neuerungen, aber auch mit den zukünftigen Herausforderungen.

Die Eröffnungsfeier wurde kulturell wunderbar ergänzt durch die Auftritte des Deutschen Gehörlosen-Theaters, durch Dodzi Dougban, einem bekannten Hip-Hop-Tänzer und durch den ebenso bekannten Gebärdensprachpoeten Guiseppe Giuranna, der erstmals mit seinem Sohn mit seiner „Visual Vernacular“ auftrat. Die Beiträge waren so faszinierend und beeindruckend gestaltet, dass die BesucherInnen ideal auf die vielen künstlerischen Auftritte der kommenden Tage eingestimmt waren

Im Anschluss fand eine Podiumsdiskussion statt zum Motto der Kulturtage, „Inklusiv und gleichwertig“. Dabei wurde mit ausgewählten Podiumsgästen aus den Bereichen Politik, Bildung, Sport, Wissenschaft etc. über den Anspruch von Inklusion und Gleichwertigkeit in der heutigen Gesellschaft diskutiert. Besonders erfreulich war, dass Helga Stevens, Mitglied des Europaparlaments in Brüssel, mit dabei war und ihre Erfahrungen aus dem EU - Parlament in die Runde einbringen konnte.
Die Diskussionsrunde war anregend und interessant und wurde von Thomas Geißler und Sabine Fries bestens moderiert.

Die Talkshows, die am Donnerstag, den 17.5. sowie am Freitag, den 18.5. stattfanden, waren eine gelungene Mischung aus bekannten und „bewährten“ KünstlerInnen wie etwa Trio-Art aus Essen oder Simone Lönne alias „Rosana“ mit ihren Sketchen, aber auch neuen, jungen KünstlerInnen wie etwa JONU aus Essen. Auch internationale Gäste wie etwa David de Keyzer aus Frankreich bereicherten die Kulturtage. De Keyzer ist Gründer und Leiter des bekannten internationalen Kulturfestivals „Clin d´Oeil“. Weiterhin wurden an den Abenden der Talkshow I und II die Filme sowie die Fotos gezeigt, die sich für die Teilnahme an dem Film- und Fotowettbewerb der Kulturtage qualifiziert hatten.

Simon Kollien führte an den Abenden durch eine spannende und äußerst informative Quizshow. Es wurden leichte, aber auch anspruchsvolle Fragen rund um die Gehörlosenkultur und die Gebärdensprachgemeinschaft gestellt. Zu Beginn am Donnerstag waren es 12 QuizteilnehmerInnen, von denen es vier TeilnehmerInnen in die Endrunde am Galaabend schafften. Drei von ihnen gewannen schließlich das Quiz und erhielten als Preise Reisegutscheine, eine großzügige Spende zweier Reisebüros.

Das umfangreiche ReferentInnenprogramm der Kulturtage umfasste Referenten in 36 Foren.
Um diese Vielfalt an den zwei Tagen anbieten zu können, wurde die Metropolis-Halle mit Moltonvorhängen in vier kleinere Räume eingeteilt. Die zwei etwas kleineren Räume waren für den Andrang auf die Vorträge manchmal etwas zu eng gestaltet, aber die ZuschauerInnen konnten dennoch den wesentlichen Inhalten der Foren folgen. Insgesamt kann man die 80 ReferentInnen, von denen etwa 15-20 hörend waren, für ihre wertvollen Beiträge nur loben, und oftmals war die eine Zeitstunde viel zu knapp, um auf die wichtigen Punkte der Vortragenden ausreichend eingehen zu können. Auch die Möglichkeit für die BesucherInnen, sich aktiv an den Foren zu beteiligen und mitzudiskutieren, bot eine große Chance, die eigene Meinung einzubringen. Dafür bot die Fülle der Foren den BesucherInnen einen guten Einblick in die verschiedensten Themen und in die aktuellen Entwicklungen der verschiedenen Bereiche von Politik, Gesellschaft, Kunst usw. Sicherlich stehen die ReferentInnen gerne für weitere Vorträge zur Verfügung, um ihre Themen auch bei anderen Veranstaltungen vorzustellen. Damit würde der Austausch und die Vernetzung untereinander weiter vorangetrieben.

Am Samstag Nachmittag fand das Fest der Hände auf dem Luisenplatz in Potsdam statt. Die Metropolis-Halle wurde zum Zweck der Vorbereitung auf den Galaabend für eine Stunde gesperrt, und so machten sich zahlreiche BesucherInnen der Kulturtage auf den Weg in die Stadtmitte von Potsdam. Dort angekommen erwartete sie eine große Bühne und ein interessantes Bühnenprogramm. PolitikerInnen und Aktive der Stadt Potsdam begrüßten die Anwesenden. Um noch stärker die Aufmerksamkeit der hörenden Passanten auf sich zu ziehen, wurde ein Sign Mob umgesetzt. Auf einer Strecke von ca 400 Metern entlang der Brandenburger Straße wurde eine beeindruckende La Ola -Welle aus Händen gestaltet. Auch die zahlreichen blauen Luftballons, die dann in den Himmel flogen, führten zu einer imponierenden Kulisse und einer wundervollen Stimmung. Die BesucherInnen verweilten bei schönstem Wetter noch sehr lange auf dem Luisenplatz – fast ein bisschen zu lang, denn manch einer kam später mit einem ordentlichen Sonnenbrand zum Galaabend.


Parallel zum Referentenprogramm sowie zum Kulturprogramm gab es im Foyer der Metropolis-Halle eine große Ausstellungsfläche. Dort hatten 55 Aussteller aus vier Bereichen (Bildung, Technik, Gebärdensprache, Verbände) die Möglichkeit, die BesucherInnen der Kulturtage umfangreich zu informieren. An den Ständen fand wichtige Aufklärungsarbeit statt, es wurden aber auch einfach Begegnungen initiiert und neue Kontakte geknüpft.

Erfreulich war, dass diesmal unter den Ausstellern auch vier Universitäten waren, die ihre Arbeiten über Gebärdensprachforschung und Gebärdensprachlehre vorstellten. Manche BesucherInnen ließen sich beim Korpus-Forschungsprojekt der Universität Hamburg beim Gebärden filmen: Die verschiedenen Gebärdendialekte der BesucherInnen trugen somit zu der wichtigen Forschungsarbeit zu den diversen Dialekten der DGS bei.

Auch die Kunstausstellung von neun renommierten KünstlerInnen fand im Foyer statt und wurde sehr gut besucht.

Ein ganz besonderes „Schmankerl“ war der Galaabend: Er war ein richtig gelungener Abschluss der Kulturtage! Neben den besonderen Darbietungen der SchauspielerInnen und KünstlerInnen gab es natürlich die traditionelle Verleihung des Kulturpreises. Es gewannen Christina Schönfeld, Roland Kühnlein, Sabine Fries und Jürgen Stachlewitz. Wir gratulieren ihnen noch einmal herzlich dazu!

Für viele BesucherInnen ganz besonderes gelungen und auch wichtig war die Ausgestaltung der Barrierefreiheit. Wir hatten umfangreiche Einsätze von GebärdensprachdolmetscherInnen, DolmetscherInnen für Internationale Gebärden, SchriftdolmetscherInnen sowie Taubblindenassistenten. Vor allem die DolmetscherInnen für DGS und Deutsche Sprache waren für die zahlreichen hörenden BesucherInnen wichtig. Für sie standen 90 Headsets zur Verfügung. Das Symbol „IS“ im Programmheft zeigte den internationalen Gästen, dass diese Beiträge in Internationale Gebärden übersetzt wurden. Für unsere taubblinden TeilnehmerInnen standen Taubblinden-AssistentInnen zur Unterstützung zur Verfügung sowie ein Rückzugsort im Foyer, um sich von den Eindrücken ausruhen zu können.
Hervorzuheben ist die gute Kooperation mit TeleSign: Unser Partner der Kulturtage hat uns bei der DolmetscherInnenkoordination unterstützt und unseren organisatorischen Aufwand somit deutlich reduziert. TeleSign stellte 20 DolmetscherInnen bereit und half bei der Aufteilung der DolmetscherInnen-Einsätze.
Es war unser Ziel, so wenig kommunikative Barrieren wie möglich an den Kulturtagen zu haben. Dies ist uns an den drei Tagen gelungen!

Auch unsere jüngsten Gäste waren vollständig in die Kulturtage integriert. Die Kinderbetreuung hatte ein umfangreiches Kinderprogramm vorbereitet. Es gab zum Beispiel Lesungen mit Swantje Marks und Marlene Bayer, einen Pantomime-Auftritt von Horst Bormann oder auch einen Tanzworkshop mit Kassandra Wedel. Die Kiner sowie die KünstlerInnen hatten viel Spaß mit den Kleinen beim gemeinsamen Spielen, Tanzen und Gebärdenlernen! Und sogar das Sandmännchen, eine bekannte Figur aus dem Fernsehen der ehemaligen DDR und des heutigen RBB, stattete den Kindern einen Besuch ab, nachdem er am Anfang der Eröffnungsfeier auch die erwachsenen BesucherInnen begrüßt hatte.

Wir wollen uns auf diesem Weg noch einmal bei allenMitarbeiterInnen und HelferInnen, bei allen ReferentInnen, KünstlerInnen und allen anderen Mitwirkenden herzlichst bedanken! Ihr habt die Kulturtage zu diesem besonderen Fest gemacht!